Die Magendrehung oder wie ich Aufgasen vorbeuge

10.04.2014 16:03 | Magen und Darm

 

Es gibt unter Hunden zweifellos sogenannte Risikorassen für eine Magendrehung. Dazu heißt es dann, es gibt entweder jene, die eine Magendrehung bereits hatten oder jene, die sie noch vor sich haben. So versucht man, sich über aktuelle Studien und Erkenntnisse auf dem Laufenden zu halten, aber die Berichte sind meist verwirrend und zum Teil widersprüchlich. Das Futter einweichen vor dem Fressen. Nein, lieber doch nicht. Den Futternapf hochstellen. Nein, eigentlich … nicht erhöht füttern. Wie können wir etwas Sinnvolles tun, wenn nicht einmal die Wissenschaftler es wissen. Wie können wir einer Magendrehung gegensteuern, wenn wir nicht wirklich wissen, was sie auslöst?

Aus diesem Grund fordert gerade die Magendrehung eine holistische Perspektive, den ganzheitlichen Ansatz – dem Problem auf den Grund zu gehen. Gerade weil wir die Gründe nicht verstehen, ist es so schwierig, die besten vorbeugenden Maßnahmen heraus zu finden. Und doch gibt es eine Reihe von Dingen, die wir tun können, um das Risiko einzuschränken.

Natürlich steht die Ernährung als Oberstes auf der Liste. Verarbeitete Lebensmittel benötigen teilweise bis zu 16 Stunden, bis sie verdaut sind und so verwundert es nicht, dass viele eine ausgewogene Rohfütterung für die beste Prävention halten. Diejenigen, die roh füttern, berichten über weniger Fälle von Magendrehungen, so dass viele Risikogruppen zu einer natürlicheren Ernährung tendieren. Leider ist diese Art der Fütterung für viele nicht praktikabel. Über die Rohfütterung werden dem Verdauungsprozess wichtige Enzyme zugeführt (die bei der Verarbeitung von Lebensmitteln teilweise verloren gehen), so dass für diejenigen, die eine Rohfütterung nicht umsetzen können, die Ergänzung von Verdauungsenzymen die beste präventorische Maßnahme darstellt.

Ein weiterer Punkt bei der Rohfütterung ist das Weglassen von Getreide. Nach gegenwärtiger Auffassung wird eine Magendrehung durch die Übersäuerung des Magens begünstigt und zuviel Getreide übersäuert den Organismus. In vielen verarbeiteten Lebensmitteln ist der Anteil an Getreide sehr hoch, um den Proteingehalt zu erhöhen.  Dieses ist für den Hund im Gegensatz zu tierischem Protein aber schwerer verdaulich. Die Frage bleibt, ob ein hoher Getreideanteil die Übersäuerung bei unseren Rassen mit tiefem Brustkorb (Anm.: Rassen mit tiefem Brustkorb werden als Risikogruppe betrachtet)  verursacht. Die Alternative wäre ein hochwertiges getreidefreies Fertigfutter.

Ein weiterer Punkt in der Betrachtung ist die Darmflora. Wir wissen, dass nach einer Antibiotikabehandlung die Darmflora wieder aufgebaut werden muss, damit diese die Nährstoffe in ausreichender Menge verarbeiten kann. Naturjoghurt und Kefir sind dafür gut geeignet. Noch besser eignet sich eine probiotische Futtermittelergänzung zur Unterstützung des Verdauungssystems.

Das Einfachste zur Unterstützung des Verdauungssystems ist ein Teeaufguss, den man über das Futter gibt. Wenn der Laden um die Ecke keine Kräuter führt, kann man diese in Apotheken bestellen. Als allererstes möchte ich die Säure bindenden Kräuter wie Mädesüß und Ampfer erwähnen. Der hohe Gehalt an Salicylsäure bei Mädesüß hilft dem Hund auch bei Beschwerden und Schmerzen, insbesondere rheumatischen Beschwerden des Bewegungsapparates. Ampfer ist das Kraut der Wahl für Hunde mit schlechten Leberwerten, Hot Spots (Anm.: entzündliche Hautveränderung) oder Verstopfung.

Weitere Kräuter, die das Verdauungssystem unterstützen, sind Kamille, Süßholz und die Mariendistel. Kamille ist ein Kraut, welches den Verdauungsapparat beruhigt. Die Süßholzwurzel unterstützt die Darmperistaltik, hilft, den Futterbrei im Darm voranzubringen, sollte aber Hunden mit Nierenproblemen nicht gefüttert werden. Mariendistel ist ein wunderbares Bittermittel für den Magen und die Milz, so dass ich dieses Kraut ganz besonders für Risikorassen empfehle. Natürlich ist jeder Hund anders und benötigt je nach Konstitution verschiedene Kräuter.  

Stress ist ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Magendrehung. Wenn Ihr Hund scheu oder nervös ist, können nervenberuhigende Tees am Abend eine gute Ergänzung sein. Helmkraut ist besonders geeignet für nervöse Hunde (solche, die vor ihrem eigenen Schatten Angst haben), aber jeder scheue Hund wird davon profitieren. Hunden mit Trennungsangst geht es mit Johanniskraut besser. Die anti-depressive Wirkung von Zitronenmelisse hilft bei Verdauungsproblemen aufgrund von Ängstlichkeit. Und zurück zum Thema ‚Stress’ – ein müder Hund ist ein glücklicher Hund … - nach der Mahlzeit sollte er allerdings ruhen.

Einige der aromatischen Kräuter, die zum Kochen genutzt werden, wirken wunderbar entgasend. Fenchel und Dill eignen sich dafür beispielsweise sehr gut. Minze ist ein gutes Karminativum (Anm.: regt die Verdauung an und löst die Ausweisung von Gas aus dem Magen und den Darm). Für Hunde mag ich vor allem die Katzenminze – sie wirkt nervenberuhigend und stimuliert die Verdauung – sollte aber nicht gegeben werden, wenn der Hund auch homöopathisch behandelt wird, weil sie gegensätzlich wirkt. Ingwer ist ebenfalls ein großartiges Mittel zur Unterstützung der Verdauung (und hat eine entzündungshemmende Wirkung, die dem alten Hund gut tun kann), ist aber ein warmes Kraut, so dass ich Ingwer nicht bei hitzeempfindlichen Hunden nutzen würde – vor allem nicht im Sommer. Für diese Hunde ist die Zichorie die bessere Wahl.

Interessanterweise ist die Milzdrehung in meiner eigenen Rasse (Großer Schweizer Sennenhund) ein weiteres Gesundheitsproblem. So wie sich der Magen drehen kann, kann sich auch die Milz drehen (obwohl dies bei anderen Rassen weniger häufig vorkommt). Dieses Problem sollte gesondert behandelt werden, deshalb fasse ich mich an dieser Stelle nur sehr kurz. Ich möchte hier festhalten, dass in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) das System der Organe immer paarweise besteht – Yin und Yang  … hier ist der Magen mit der Milz gepaart, so dass eine Unterstützung dieses Organsystems aus TCM Sicht für Risikorassen sehr günstig ist. Gut für die Milz sind Ingwer und Tragant. Tragant moduliert auch das Immunsystem, und ich kann mir keinen Hund vorstellen, der nicht von ein wenig Tragant täglich profitieren würde!

Wenn Sie homöopathisch behandeln, sind Alumina (Tonerde) und Carbo Veg (Holzkohle) zwei Mittel, die man zur Hand haben sollte – Alumina zu Beginn eines Leckanfalls und Carbo Veg, wenn der Leckanfall nicht aufhört. Hoffentlich brauchen Sie es nie!

Selbstverständlich muss sofort ein Tierarzt aufgesucht werden, wenn der Hund Anzeichen von Aufgasung oder einer Magendrehung zeigt!

 


Quelle: Nancy (http://canismajorherbals.wordpress.com/) hat ihre Ausbildung zur Kräuterexpertin im Jahre 2005  im Misty Meadows Herbal Center in Lee, NH, abgeschlossen und sich auf die Behandlung von Hunden spezialisiert. Mit ihrer freundlichen Genehmigung stellen wir die deutsche Adaptierung ihres Artikels nachfolgend zur Verfügung. Danke, Nancy!