Allergien beim Hund

01.12.2016 00:00 | Aktuelles

Allergien beim Hund

Allergien beim Hund: Eine Mitschrift


Teil 1: Die Allergieexplosion – Was ist für den Zuwachs der Allergien bei Mensch und Hund in den letzten Jahrzehnten verantwortlich und wie diagnostizieren wir Allergien bei Hunden?
 
Teil 2: Allergien beim Hund – Welche gibt es und wie behandeln wir sie?
 
Zur kynologischen Arbeitstagung beim VDH Landesverband Baden-Württemberg wurde das Thema "Allergien beim Hund" von Prof. Dr. Ralf S. Müller vorgetragen. Hier ein paar von mir zusammengefasste Punkte für Euch:
 

Welche Hunde haben am häufigsten Allergien?


Hohe Allergiehäufigkeit trifft man bei Hunden an, die im Herbst geboren sind, in der Stadt leben und in der Wohnung gehalten werden. Wir können vermuten, dass ihr Immunsystem am wenigsten zu arbeiten hat, sich irgendwann anfängt zu langweilen und dann auf dumme Gedanken kommt. Hätten Sie es gedacht?
 

Welche Hunde haben selten Allergien?


Eine schwedische Studie stellte fest, dass Welpen, die mit Selbstgekochtem aufwachsen, später eine geringere Allergiehäufigkeit aufweisen. Hier geht auch die Überlegung in die Richtung, dass Selbstgekochtes nicht steril ist und das Immunsystem somit Arbeit bekommt. Wie der Hund als Welpe ernährt wurde, ist also neben seiner genetischen Veranlagung nicht unwichtig.


Welche Rolle spielt die Genetik?


Die Genetik schafft eine Prädisposition für Allergien und im Zusammenspiel mit Umweltbelastungen und anderen Herausforderungen kann das Immunsystem verrückt spielen, und es entwickeln sich Allergien. Eine genetische Prädisposition bedeutet aber nicht, dass diese relevant sein muss, also dass sich tatsächlich eine Allergie entwickelt.
 

Die Anamnese


Bei jedem Juckreiz steht am Anfang eine ausführliche Anamnese des Hundes. Infektionen (auch Leishmaniose), metabolische Erkrankungen (Stoffwechselstörungen), Ektoparasiten (z.B. Flöhe), Hormonstörungen und Tumore können beispielsweise Juckreiz auslösen. Bei Juckreiz ohne Läsionen kommen hauptsächlich 5 Ursachen infrage. Umwelt (z.B. Pollenflug im Sommer), Ernährung, Hefepilze, Fuchsräude (Grasmilben) und Bakterien. Juckreiz an Gesicht und Pfoten deutet eher auf Umwelt und Futter hin, Juckreiz auf der hinteren Körperhälfte auf einen Flohallergiker.
 

Die Futterallergie


Vermutet man eine Futterallergie, ist eine hausgekochte Diät das Mittel der Wahl. 8 Wochen lang wird der Hund mit nur wenigen und bislang seltenst gefütterten Rohstoffen versorgt. Dies muss allerstrengstens eingehalten werden. Zeigt sich eine Verbesserung der Symptome, werden nach und nach die alten Komponenten wieder zugefüttert und zeigt sich daraufhin eine Reaktion, hat man seine Diagnose. Diättrockenfuttermittel, wie sie im herkömmlichen Handel angeboten werden (Stichwort "Monoprotein") sind für eine Ausschlussdiät wenig geeignet, da man herausfand, dass in vielen dieser Diätfuttermittel trotzdem noch andere tierische Proteine enthalten waren. Leider zeigen auch die angebotenen (und teuren) Bluttests meist ein falsch positives Bild und sie können nicht aufzeigen, ob der positiv belegte Rohstoff tatsächlich "relevant" ist und den Juckreiz verursacht.
 

Die symptomatische Therapie


Als symptomatische Therapie wird meist in großer Not Kortison verabreicht. Aufgrund seiner Nebenwirkungen sollte es aber so wenig wie möglich und so viel wie nötig sein. Im Zusammenspiel mit der Gabe von Fettsäuren (Omega 3 und 6) und Antihistaminika kann man die Menge an Kortison reduzieren. Neu sind sog. Kortisonsprays auf Basis von Hydrocortioson-Aceponat (HCA). Weitere Alternativen: Cyclosporin ist ein Immunsuppressivum. Nebenwirkungen sind Erbrechen und Durchfall in 25% der Fälle, außerdem Warzen und Zahnfleischwucherungen. Oclactinib wirkt entzündungshemmend, antiallergisch und juckreizlindernd. Als Nebenwirkung kann es zu Infektionen kommen.
 

Das Ganze mitgeschrieben und notiert von mir. Vorgetragen von Prof. Dr. Ralf S. Müller. Ohne Gewähr meinerseits, dass ich alles 100% richtig erfasst habe. Trotzdem hoffe ich, dass der eine oder andere hiervon etwas für seinen eventuell geplagten Hund mitnehmen kann.
 

Referenz:

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